Langenhagen leuchtet 2021 – ein Kunstprojekt

Film auf Videowall an Fassade
Video „No home, nowhere“ von Lutz Wiedemann läuft auf der Video-Wall des Hautarzt-Laserzentrums in Langenhagen

Am Samstag, dem 19. Juni 2021, wunderte sich der ein oder andere Passant über die Gruppe von Menschen, die vor der Leibnizstraße 5 in Langenhagen standen und alle nach oben schauten. Es waren Besucher und Passanten, die sich zur Eröffnung des Kunstprojekts „Langenhagen leuchtet“ eingefunden hatten.

Nach Begrüßung durch die Kulturdezernentin der Stadt Langenhagen, Frau Eva Bender, und der einführenden Rede vom Initiator des Projekts und beteiligtem Künstler, Prof. Christoph Rust, waren ab Punkt 21:18 Uhr die Videobeiträge der 7 beteiligten Künstler und Künstlerinnen auf der Videowall an der Fassade des Hautarzt- Laserzentrums von Dr. Matthias Wahn zu sehen.

Obwohl insgesamt sehr unterschiedliche Arbeiten in der Auswahl zu sehen sind, rahmen der erste Beitrag von Lutz Wiedemann, „No home, nowhere“, und der letzte Beitrag von Wolfgang Jeske mit seinen leuchtenden, zwischen Bäumen schwebenden Häusern den Kreis der Präsentation thematisch ein: Passend zum Weltflüchtlingstag am darauf folgenden 20. Juni greifen sie über den Topos des Hauses, die Thematik der Unbehaustheit bzw. den menschlichen Wunsch nach Behaust- und Geborgenheit auf.

Lutz Wiedemann ist mit zwei Arbeiten vertreten. Er zeigt zum einen Gruppen zart gezeichneter und identischer Häuser, die in der Luft kreisen und keinen Boden haben. Er erläutert: „Niemand kann sein Haus in den Wolken bauen. Meine Häuser sind alle gleich, schweben und gruppieren sich neben- und übereinander zu Siedlungen. Aber sie haben noch etwas anderes gemein: ihnen fehlt Boden, auf dem sie stehen könnten. Sie sind Luftschloss, wenn man sich ein Heim erträumt. Sie sind Mahnung, wenn man an Millionen Menschen denkt, die ihre Heimat verloren haben.“

Langenhagen leuchtet: Das Kunstprojekt zeigt bis zum 21.09.21 täglich um 11:00, 16:00, 18:30 und 21:00 die Videos der 7 Künstler

Wiedemanns Bilder sind zart und befinden sich in sanfter Bewegung. Sie entfalten so eine entschleunigende und poetische Kraft. Gleiches gilt für Wiedemanns zweite Arbeit, in der er architektonische stelenartige Objekte zeigt, die er „Vasen“ nennt und die zwitterhaft zwischen Körperlichkeit und Virtualität auf das Medium verweisen, mit dem der Künstler hier arbeitet: das 3D-Modelling.

Ebenfalls auf Wiederholung und langsame Bewegung baut Anne Nissen in ihrer Arbeit: Sie zeigt im Video einen Ausschnitt ihrer Arbeit „Follow“. Bunte Tuschetropfen bewegen sich langsam in einem Lufthauch.

Das Kunstprojekt zeigt den unterschiedlichen Umgang von Bildhauern, Malern und Installations- und Videokünstlern mit dem Medium Video

Der Bildhauer Michael Hischer zeigt in seinem Video eine Auswahl seiner kinetischen Objekte – ebenfalls in langsamer Bewegung. Es ist also keine Video-Arbeit im engeren Sinne. Auch das Video von Marina Schreiber, erlaubt uns vor allem einen Blick auf ihre Skulpturen, lotet die künstlerischen Möglichkeiten des Mediums aber stärker aus. Ihre „biomorphen Abstraktionen“ tauchen auf, schweben, überlagern sich und verblassen, so dass teilweise der Eindruck einer bizarren Unterwasserwelt entsteht.

Die beiden Maler der kreativen Sieben schließlich, Jürgen Heinrich und Christoph Rust, gehen mit dem Medium des Videos tatsächlich in besonders malerischer Weise um. Im Film „None“ von Jürgen Heinrich, zeigt der Maler neun Stufen eines malerischen Prozesses, wobei die None als Begriff aus der Musik hier für eine stilistische Besonderheit steht: Eigentlich dissonante Akkorde werden (zirka ab der Romantik) nicht mehr unbedingt aufgelöst und erzielen eine sehr eindrucks- und spannungsvolle Wirkung: zu Hören zum Beispiel in Claude Debussys „Nuages“ aus dem Orchesterwerk „Les Nocturnes“.

Christoph Rust zeichnet bei diesem Kunstprojekt nicht nur für die Auswahl der beteiligten Künstler und Arbeiten. Er hat auch selbst ein Künstlervideo beigesteuert. Angeregt von der besonderen Ästhetik der Bilder, die die Marssonde und der Rover Anfang letzten Jahres zur Erde gesendet haben, hat er das Thema in mehreren Bildern malerisch bearbeitet und verdichtet im Video die Bilder eindrucksvoll zu einer malerisch-bildhaften Erzählung dieser Reise.

Bis zum 21.09.2021 sind die Videos täglich jeweils um 11 Uhr, 16 Uhr, 18:30 Uhr und um 21 Uhr auf der Videowall von Dr. Matthias Wahn, an der Fassade des Gebäudes Leibnizstraße 5 in 30853 Langenhagen zu sehen.

Romantisches Gegenkonzept

Romantisches Gegenkonzept
Romantische Landschaft mit Schloss, Schutt und Hochspannungsleitung

Moderne Landschaftsfotografie spielt mit romantischem Landschaftsbegriff

Unter dem Titel „Romantisches Gegenkonzept“ zeigt Dagmar Tille anlässlich des Entdeckertags 2019 im Brinkhaus in Hodenhagen Teile ihrer gleichnamigen Fotoreihe. Der Titel bezieht sich auf das Konzept der Landschaftsdarstellungen in der Romantik, das sie in ihren Fotografien durch paradoxe Form-Analogien oder vollkommen unromantische Details wie Schutthalden oder Mastställe bricht.

Was wir heute unter Landschaft verstehen, ist ideengeschichtlich relativ jung. Das neuzeitliche Landschaftsverständnis entstand ab dem ausgehenden Mittelalter erst unter dem Eindruck der Landschaftsmalerei. Es war die Malerei, die die ästhetisch motivierte Wahrnehmung der Natur begründete. Gestaltete und idealisierte Darstellungen von Naturlandschaft – als einem eben gerade nicht von Menschen ästhetisch gestalteten Raum – boten Sehnsuchtsraum und Projektionsfläche gleichermaßen.

Die Landschaftsparks des 18. und 19. Jahrhunderts bildeten diese ästhetischen Vorstellungen als konkrete Ideallandschaften nach. Landschaft und das Ländlich-Rurale wird zu dem Raum, in dem man Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit sucht. Dessen Vorstellung man romantisch verklärt. Landschaft wird zum Gegenpol des Städtischen. Romantik zum Gegenpol der Aufklärung. Die sich dem natürlichen Leben immer weiter entfremdende Gesellschaft sucht Erfüllung in romantisierenden Konzepten, Möglichkeiten des Rückzugs und der Regression.

Das gute Landschaftsbild negiert das Hässliche und füllt die offengelassenen blinden Stellen mit Projektionen, die oftmals tief in die psychologische Verfasstheit der Zeit blicken lassen. Die bedeutungsgeladenen Landschaftsbilder der Romantik spiegeln einen Hang zu Heroismus, erwachendes Nationalbewusstsein genauso wie narzisstische Selbstüberhöhung.

Auch unter dem Einfluss der Fotografie beginnt sich später das Diktat des Schönen und der Zwang zur ästhetischen Totalüberhöhung wieder zu lockern. Das was ist gerät stärker ins Blickfeld. Andererseits wird der künstlerische Blick freier und individueller. Das eigene Erleben und die künstlerische Impression gewinnen an Bedeutung.

Heute sollen Landschaften weitere Funktionen erfüllen. Landschaft wird zum Naturschutzgebiet, zum Naherholungsgebiet, zum Wirtschaftsfaktor Tourismus. In diesen Bereichen liegt eine Tendenz zur Idealisierung nahe.

Dennoch, so meint die Fotografin, erfordern diese unterschiedlichen Blickwinkel es vielmehr, unseren Landschaftsbegriff zu öffnen. Denn sollten wir in der Kunst Landschaftsdarstellungen und Landschaftsfotografie weiterhin allein auf das Schöne und Ewige hin überhöhen, oder sollten wir – einem erweiterten Landschafts- und Kunstbegriff folgend – auch Hässliches und Übergangszustände in unseren Landschaftsdarstellungen zulassen? Dagmar Tille beantwortet diese Frage in ihren Fotografien.

Denn was wir heute Landschaft nennen, reflektiert beides: den idealisierenden Sehnsuchtsraum und das komplexe Netz aus Mikrolandschaften, zwischen denen sich der moderne mobile Mensch in den Zeiten der Globalisierung hin- und herbewegt. In der Uneindeutigkeit bzw. der Ambivalenz der Empfindungen beim Betrachten der Landschaftsfotografien Tilles liegt ihre eigentliche Stärke.

Zum Fotoblog der Fotografin Dagmar Tille geht es hier >>

Poggenhagen - Foto: Dagmar Tille

ARTigkeiten auf dem Lande

Kulturgut Poggenhagen

Auf dem Kulturgut Poggenhagen, Gut Harms, 31535 Neustadt, sind vom 25. August bis zum 29. September drei über das Gelände verteilte Installationen sowie eine Fotodokumentation zu sehen. Die diesjährigen Projektwochen tragen den Titel „Stadt Land Spuren“. Anders als die Jahre davor sind nicht mehrere Künstler vertreten, sondern alle Arbeiten stammen von einem Künstlerduo (Buntrock/Nordiek).

Erste Installation: Instrumenta Hortica

Rote Schäufelchen krabbeln mit Drahtbeinen versehen von allen Seiten einen alten Turm hinauf. Es sind sehr viele Schäufelchen. Der Eindruck ist von allen Seiten ähnlich. Allein die Anzahl wirkt hier nicht als Multiplikator der Idee. Die Fotopräsentation bietet Informationen, was es mit diesen Schäufelchen wissenschaftlich auf sich habe (hö, hö).

Zweite Installation: Quader

Die zweite Installation findet sich an einem Ort im Wald. Hier wurde ein Betonplatte freigelegt und ein Stapel Totholz mit Hilfe von Draht zu einem Quader gebunden. Die überragenden Enden der Hölzer wurden bündig mit der jeweiligen Außenkante des Quaders abgesägt. Die Kanten bilden einen Bruch, durch den das Chaos des Inneren (chaotische Anordnung der Totholzstäbe im Raum) abrupt auf die geometrische Ordnung des Äußeren trifft und den dort endenden Raum durch gerade Schnittkanten markiert.

Ein wenig verloren wirkt dieser Quader im Wald. Das Lichtspiel der durch die Blätter fallenden Sonnenstrahlen und die hellen Sägeflächen an den Stirnseiten der Hölzer lösen die Quaderform optisch fast vollständig wieder auf. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Eindruck ändert, wenn ein wenig Patina ihre Spuren hinterlassen hat.

Dritte Installation: Reuse

Nahe einer freien Uferstelle wurde in einem Teich eine Reuse aus Totholz errichtet. Durch die beindruckende Größe der Installation und die Wahl eines günstigen Standortes ergibt sich ein interessantes Bild. Die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche ergänzen die Reuse zu einem Kreis. Wellen machen dieses Spiegelbild zu einer reizvoll verzehrten Ergänzung dieser Installation. Sehenswert!

Die Ausstellung kann vom 25.08. bis 29.09.2013 besucht werden. Die Installationen sind öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Weitere Termine:

  • 1.09.2013, ab 14.00 Uhr – Hofcafé mit selbst gebackenem Kuchen
  • 5.09.2013, Eröffnung einer Fotoausstellung der Künstler, Galerie Aschemann, Hannover
  • 21.09.2013, Blaue Stunde, 19:00 Uhr