Poggenhagen - Foto: Dagmar Tille

ARTigkeiten auf dem Lande

Kulturgut Poggenhagen

Auf dem Kulturgut Poggenhagen, Gut Harms, 31535 Neustadt, sind vom 25. August bis zum 29. September drei über das Gelände verteilte Installationen sowie eine Fotodokumentation zu sehen. Die diesjährigen Projektwochen tragen den Titel „Stadt Land Spuren“. Anders als die Jahre davor sind nicht mehrere Künstler vertreten, sondern alle Arbeiten stammen von einem Künstlerduo (Buntrock/Nordiek).

Erste Installation: Instrumenta Hortica

Rote Schäufelchen krabbeln mit Drahtbeinen versehen von allen Seiten einen alten Turm hinauf. Es sind sehr viele Schäufelchen. Der Eindruck ist von allen Seiten ähnlich. Allein die Anzahl wirkt hier nicht als Multiplikator der Idee. Die Fotopräsentation bietet Informationen, was es mit diesen Schäufelchen wissenschaftlich auf sich habe (hö, hö).

Zweite Installation: Quader

Die zweite Installation findet sich an einem Ort im Wald. Hier wurde ein Betonplatte freigelegt und ein Stapel Totholz mit Hilfe von Draht zu einem Quader gebunden. Die überragenden Enden der Hölzer wurden bündig mit der jeweiligen Außenkante des Quaders abgesägt. Die Kanten bilden einen Bruch, durch den das Chaos des Inneren (chaotische Anordnung der Totholzstäbe im Raum) abrupt auf die geometrische Ordnung des Äußeren trifft und den dort endenden Raum durch gerade Schnittkanten markiert.

Ein wenig verloren wirkt dieser Quader im Wald. Das Lichtspiel der durch die Blätter fallenden Sonnenstrahlen und die hellen Sägeflächen an den Stirnseiten der Hölzer lösen die Quaderform optisch fast vollständig wieder auf. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Eindruck ändert, wenn ein wenig Patina ihre Spuren hinterlassen hat.

Dritte Installation: Reuse

Nahe einer freien Uferstelle wurde in einem Teich eine Reuse aus Totholz errichtet. Durch die beindruckende Größe der Installation und die Wahl eines günstigen Standortes ergibt sich ein interessantes Bild. Die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche ergänzen die Reuse zu einem Kreis. Wellen machen dieses Spiegelbild zu einer reizvoll verzehrten Ergänzung dieser Installation. Sehenswert!

Die Ausstellung kann vom 25.08. bis 29.09.2013 besucht werden. Die Installationen sind öffentlich zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Weitere Termine:

  • 1.09.2013, ab 14.00 Uhr – Hofcafé mit selbst gebackenem Kuchen
  • 5.09.2013, Eröffnung einer Fotoausstellung der Künstler, Galerie Aschemann, Hannover
  • 21.09.2013, Blaue Stunde, 19:00 Uhr
Blüten - Foto: Dagmar tille

Skurriles aus der Provinz

Wunstorfer Stadtkirche – zur Vernissage einer Ausstellung

Eine Italienerin im obligaten Wickelrock verleiht per Installation aus in Styropor gesteckten, geweißelten und an geeigneter Stelle mit Buchstaben versehenen Baumarktblümchen ihrem Verlangen Ausdruck, jemand möge ihr ihre Blüten bestäuben. Ihr hilflos wirkender Versuch der Verstellung durch abweichende Interpretationsvorschläge (Kultur, Schrift, Mittelmeerraum …) mißlingt, da sie anschließend vollkommen anlasslos verkündet, am Tage zuvor auf einer Hochzeit gewesen zu sein. Biene Majas Willi in Person des Galeristen flattert während der Laudatio „zauberhaft, zauberhaft“ flötend herum, um seine grundsätzliche Geneigtheit zu bekunden, kommt aber auf Grund von Physiognomie und Alter vermutlich nicht in Frage.

Nun ja, zugegebenermaßen recht amüsant, – es gehört jedoch zu den Dingen, die ich im Grunde einfach nicht wissen wollte …

Aschermittwoch der Kuenste Nienburg

12. Aschermittwoch der Künste

In der Kirche befinden sich zwei Installationen: Die erste „unsettled conditions #2“ von Ina Raschke: Es handelt sich um eine in den Gewölben installierte Arbeit aus Klebestreifen. Diese warten an der Kirchendecke auf „die kleinen Dinge des Lebens“ – auf den Staub, der an der klebrigen Seite der Klebestreifen haften bleiben soll.

Die zweite Installation „Geborgene Räume“ von Henning Diers besteht aus luftgetrockneten Ziegelsteinen, in die an der Unterseite ein Modell der Kirche St. Martin geprägt wurde. Sie wurden im Kirchenraum als „Mittler der Zeiträume“ an zwei Stellen um den Altar herum und rechts und links im Eingangsbereich des Kircheninnenraums angeordnet. „Diese Linien erschaffen eine neue und vermeintlich gleichzeitig alte Räumlichkeit, sie definieren somit die Bedeutung von Kirche als etwas Unabhängiges von Raumaltar und Raumgröße“, so der Künstler.

Nach der Begrüßung durch die Pastorin von St. Martin, Frau Henrike Müller, sprach die Beauftragte für Kunst und Kultur des Hauses kirchlicher Dienste, Frau Dr. Julia Helmke, und erläuterte nochmals das diesjährige Thema des Aschermittwochs der Künste: Die Frage nach dem Verständnis der heutigen Kirche als Kirchenraum im Sinne einer Heteropie (M. Foucault): also als Raum der gleichzeitig tatsächlicher Ort und geistiger Raum (Utopie) ist.

Beim anschließenden Künstlergespräch konnten Fragen gestellt oder Meinungen geäußert werden. Abschließend fand ein Essen im Kirchenraum statt, das symbolisch die Fastenzeit bis Ostern einleitete.

Die Installationen werden noch einige Zeit in St. Martin zu sehen sein.