Blüten - Foto: Dagmar tille

Skurriles aus der Provinz

Wunstorfer Stadtkirche – zur Vernissage einer Ausstellung

Eine Italienerin im obligaten Wickelrock verleiht per Installation aus in Styropor gesteckten, geweißelten und an geeigneter Stelle mit Buchstaben versehenen Baumarktblümchen ihrem Verlangen Ausdruck, jemand möge ihr ihre Blüten bestäuben. Ihr hilflos wirkender Versuch der Verstellung durch abweichende Interpretationsvorschläge (Kultur, Schrift, Mittelmeerraum …) mißlingt, da sie anschließend vollkommen anlasslos verkündet, am Tage zuvor auf einer Hochzeit gewesen zu sein. Biene Majas Willi in Person des Galeristen flattert während der Laudatio „zauberhaft, zauberhaft“ flötend herum, um seine grundsätzliche Geneigtheit zu bekunden, kommt aber auf Grund von Physiognomie und Alter vermutlich nicht in Frage.

Nun ja, zugegebenermaßen recht amüsant, – es gehört jedoch zu den Dingen, die ich im Grunde einfach nicht wissen wollte …

Aschermittwoch der Kuenste Nienburg

12. Aschermittwoch der Künste

In der Kirche befinden sich zwei Installationen: Die erste „unsettled conditions #2“ von Ina Raschke: Es handelt sich um eine in den Gewölben installierte Arbeit aus Klebestreifen. Diese warten an der Kirchendecke auf „die kleinen Dinge des Lebens“ – auf den Staub, der an der klebrigen Seite der Klebestreifen haften bleiben soll.

Die zweite Installation „Geborgene Räume“ von Henning Diers besteht aus luftgetrockneten Ziegelsteinen, in die an der Unterseite ein Modell der Kirche St. Martin geprägt wurde. Sie wurden im Kirchenraum als „Mittler der Zeiträume“ an zwei Stellen um den Altar herum und rechts und links im Eingangsbereich des Kircheninnenraums angeordnet. „Diese Linien erschaffen eine neue und vermeintlich gleichzeitig alte Räumlichkeit, sie definieren somit die Bedeutung von Kirche als etwas Unabhängiges von Raumaltar und Raumgröße“, so der Künstler.

Nach der Begrüßung durch die Pastorin von St. Martin, Frau Henrike Müller, sprach die Beauftragte für Kunst und Kultur des Hauses kirchlicher Dienste, Frau Dr. Julia Helmke, und erläuterte nochmals das diesjährige Thema des Aschermittwochs der Künste: Die Frage nach dem Verständnis der heutigen Kirche als Kirchenraum im Sinne einer Heteropie (M. Foucault): also als Raum der gleichzeitig tatsächlicher Ort und geistiger Raum (Utopie) ist.

Beim anschließenden Künstlergespräch konnten Fragen gestellt oder Meinungen geäußert werden. Abschließend fand ein Essen im Kirchenraum statt, das symbolisch die Fastenzeit bis Ostern einleitete.

Die Installationen werden noch einige Zeit in St. Martin zu sehen sein.

Transekt von Lutz Wiedemann

Lutz Wiedemann im Café Grün

Der Bildhauer und Objektkünstler Lutz Wiedemann zeigt vom 09. Januar bis 05. Februar 2010 Objektkunst und Fotografien im Café Grün, Fedelhören 73, Bremen.

Auf nur wenige Kubikzentimeter verdichtet Lutz Wiedemann seine Assoziationsräume. In kleinen Assemblagen schafft er seinen Gedanken über so gewichtige Fragen wie Bestimmung, Ordnung, Vergänglichkeit, Leben und Tod ein dingliches Zuhause: Wenn man möchte, kann man eintreten und mit ihm anhand rostiger Nägel über Ordnung und Entropie oder anhand von Kunststoff-Schmetterlingen über idealisierende Naturvorstellungen und Umweltzerstörung nachdenken.

Seine Ausstellung im Café Grün mit Assemblagen und Fotografien wird am 09. Januar 2010 um 20:00 Uhr eröffnet. Zur Vernissage spielt Konzert-Pianist Andreas Müller-Oesterling Eigenkompositionen.