am 4. Juli 2017 von Dagmar Tille

Unruhe auf dem Newski-Prospekt

Anfang Juli (nach julianischem Kalender) vor hundert Jahren kam es in Petrograd, der Stadt die bereits im Februar des Jahres Ausgangspunkt der revolutionären Umbrüche in russischen Zarenreich gewesen war, erneut zum Aufstand. Seit der Februarrevolution befand sich das Land unter einer Doppelherrschaft von Duma und Sowjet: Einerseits hatte ein Ausschuss des russischen Parlaments, der Duma, eine provisorische Regierung gebildet. Anderseits beanspruchten die von den sozialistischen Parteien gebildete Arbeiter- und Soldatenräte der Petrograder Sowjet die Kontrolle über die von ihr tolerierte provisorische Regierung und übten faktisch legislative Gewalt aus.

Der Neski-Prospekt in St. Petersburg heute

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Russland noch im Krieg. Im Verlauf der revolutionären Auseinandersetzungen war es in der Armee im Vorfeld zu Meutereien gekommen und die Soldaten hatten zu tausenden die Seite gewechselt und sich mit Streikenden und Aufständischen solidarisiert. Eine Fortsetzung des Krieges war nur möglich – wie die Regierung die Armeeführung überzeugen konnte – wenn der Zar abdanken würde. Das Ende des Zarenreichs war besiegelt. Ohne die Unterstützung der Armee war Zar Nikolaus II gezwungen gewesen, am 15. März 1917 zurückzutreten.

Während der folgenden Kerenski-Offensive, dem Versuch der Regierung, die Mittelmächte an der Frontlinie südlich von Brody zurückzudrängen, kam es dann Anfang Juli in Petrograd erneut zum Aufstand. Die Truppen hatten starke Verluste erlitten und zeigten Auflösungserscheinungen. Die in Petersburg stationierten Soldaten fürchteten, an die Front geschickt zu werden. Es kam zu großen Demonstrationen. Die Demonstration auf dem Newski-Prospekt am 4. Juli wurde von loyalen Truppen der Regierung brutal mit einem Gemetzel beendet. Es starben Hunderte. Damit veränderte sich die Stimmung nachhaltig: Die Soldaten der Hauptstadt waren fortan auf dem Weg zur Oktoberrevolution für die Bolschewiki ein sicherer Verbündeter.

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